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The Queen (USA 1968, F. Simon)

 
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Rene



User seit: 25.08.2006
Beiträge: 3171

BeitragVerfasst am: 21.06.2019 08:37    Titel: The Queen (USA 1968, F. Simon) Antworten mit Zitat

gesehen am 21.06.2019 (stream, youtube); 4/5

Als Film ist „The Queen“ nicht besonders aufregend, dennoch ist es ein aufregender Film. Frank Simons Aufzeichnung eines Transvestiten-Schönheitswettbewerbs in New York mag unpersönlich erscheinen, aber dieses Unpersönliche ist mehr als bemühte Vorurteilslosigkeit, es steht in essentiellem Zusammenhang mit dem abgefilmten Vorgang: in der Neutralität konstituiert sich eine erste Absage an alles Originale, Ursprüngliche und auch Natürliche.

Während die Schau abläuft, hört man den Song „Diamonds are a girl’s best friend“ aus „Gentlemen prefer blondes“ von Howard Hawks. Nicht erst das bringt einen auf die Idee, dass dies ein Film über ganz spezielle amerikanische Perversionen ist. Wie es in Hawks Film keine normale Sexualität gibt, nur die Darstellungen von pervertiertem amerikanischen Erfolgsstreben und krankhaften Gesundheitsvorstellungen – und das gerade in den Gestalten von Marilyn Monroe und Jane Russell, Monumenten amerikanischer Sexideale –, so inkarnieren sich in dieser Schönheitskonkurrenz umgekehrt alle positiven Kräfte des Amerika am Ende der sechziger Jahre gegen bloßen Utilitarismus, gegen Normen, Konventionen und Institutionen, deren Pervertiertheit darzustellen die Amerikaner selbst am zwingendsten schaffen. Die Bezüge zu camp und fake und Ersatz im amerikanischen Leben und in der amerikanischen Kultur, die diese „féerie“ evoziert, zeigen, wo amerikanische moderne Kunst amerikanische Originalität sieht.

Die Männer, die hier nach sorgfältiger, ritueller Einkleidung als perfekte Frauen um die Schönheitspalme konkurrieren, demonstrieren mit ihren Körpern und allen Tricks machbarer Schönheit eine Idee der Frau. Indem sie als Männer weibliches Verhalten, weibliche Gesten vorführen, ohne bloß zu imitieren – denn sie sind, wie sie selbst betonen, weder ganze Männer noch ganze Frauen –, ergibt sich eine Objektivation von Weiblichkeit, die eine kaum möglich scheinende Synthese von Abstraktem und Konkretem darstellt und gleichzeitig ein ungewöhnliches Verhältnis von Realität und Fiktion.
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"Film is like a battleground: love, hate, action, violence, death. In one word: emotion."
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